Was die Macht aus uns macht

Ich gebe zu, der Titel ist leicht provokant und ich weiß auch nicht wirklich, ob der gut gewählt ist. Aber ein paar Gedanken drücken langsam so stark auf meinen Kopf, dass sie einfach raus müssen. Mir ist klar, ich schreibe nicht oft neue Blogeinträge, bin kein guter Schreiber. Wer generell bei Rechtschreibfehlern oder falscher Grammatik einen Schauer über seinen Rücken bekommt, sollte dies wahrscheinlich auch nicht unbedingt lesen. Aber es ist Freitag Abend und ich denke lieber eine Stunde über alles nach und schreibe lieber Sachen auf Facebook, wie:

“kapuzenpulli anziehen. letztes bier aus dem kühlschrank holen. rausgehen. nießelregen. letzte 15 euro vom konto abheben. schachtel kippen holen. allein an den main gehen. dunkelheit. einsamkeit. weiß nicht wieso, aber manchmal brauch ich das einfach.”

Ich gehöre nicht zu den Piraten, die von Anfang an dabei sind, bin aber schon ein paar Jahre aktiv. Mit Herz und Verstand. Doch ich erinnere mich noch ganz an die Zeit, wo Wahlen nicht alles waren. Es ging nicht drum, sich einen Posten zu schnappen oder irgendwie mit Politik Geld zu machen. Seinen Namen zu pushen. Auch wenn ich schon lang dabei bin, war ich nie jemand, der sich in den Vordergrund stellt; auch keiner, der viel kritisiert und zu jedem Shitstorm eine Meinung hat. Mir war bewusst, wer ich bin und was für Aufgaben ich für die Partei übernommen habe. Auch wenn ich nicht immer das richtige getan habe bzw. tun konnte, hatte jeder seinen Part in der Partei. Es war gar nicht so wichtig, wer wie viel macht. Sondern, was wir schon alles erreicht haben und wie wir das ausbauen konnten.

Mit der Berlinwahl und unserem Hype hat alles angefangen. Wir wurden plötzlich überrollt. Wir waren viele und das war für uns oft ungewohnt. Manchmal war es auch schwer, die nötige Übersicht zu behalten. Der Start war aber deutlich besser als gedacht. Die Leute traten mit geringen Ansprüchen bei uns ein. Auch wenn es komisch ist. Sie wollten, genau so wie wir in den letzten Jahren, die Welt ein bisschen besser machen.

Die Monate vergingen. Die Strukturen wuchsen langsamer als die Mitglieder eintraten, aber irgendwie kamen alle damit zurecht. Man könnte schon fast  meinen, wir haben die perfekte Grundlage geschaffen, um Kommunal langsam mit der Arbeit anzufangen. Doch was passiert derzeit? Organisatorische Kleinigkeiten, die nicht laufen, werden unverhältnismäßig hochgespielt. Natürlich ist es nicht schön, wenn Aufstellungsversammlungen in wenigen Tagen hochgezogen werden und kaum einer von der Vorbereitung mitbekommen hat. Wenn man den ganzen Tag am arbeiten ist und unter Zeitdruck steht, ist es nicht einfach, alles auch noch mit zu protokollieren und zu veröffentlichen, dass es auch ja jeder mitbekommt was geschieht. Man kann es auch bei anderen Problemen nie allen Recht machen. Auch wenn man es gerne möchte. Also ich war der Meinung, die Grundlage für vernünftige Politikarbeit haben wir gelegt, aber es passiert nicht viel. Auf Stammtischen wird drüber geredet, selten mitprotokolliert und danach wieder vergessen. Wieso nutzt man diese Diskussionen nicht gleich, um Positionen zu verfassen? Wieso haben wir auf Bezirksebene keine halbwegs fertigen Programmpunkte? Weswegen kommen 10 Mails in der Mailingliste, wenn ein Programmpunkt zum Thema Bildung erscheint und über 70 Mails, wenn ein Mitglied austritt und 2-3 Vorgänge kritisiert? Mir ist bewusst, dass ich durch den Blogeintrag kritisiere, aber anstatt beleidigt zu sein und ewig lange zu diskutieren sollten wir das machen, was eine Partei tun sollte. Nämlich ein Programm entwickelt, welches die meisten von uns zufrieden in die Welt tragen könnten.

Langsam bin ich auf die Zeit nach den Wahlen gespannter, als auf die Wahlen an sich. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Mit meinen 19 Jahren fühl‘ ich mich manchmal schon ein bisschen alt, wenn ich an die letzten Jahre zurückdenke. Als wir noch alle für für eine Sache und ein Ziel gekämpft haben anstatt uns wegen organisatorischen Kleinigkeiten zu streiten. Wir wollen doch eigentlich fast alle das Selbe. Wir wollen, dass die Welt ein kleines bisschen lebenswerter wird. Leider kann ich auch keine Musterlösung bieten, wie wir das am geschicktesten machen sollen. Weder bin ich mir absolut sicher, was richtig ist, noch will ich uns irgendwas vordiktieren. Aber ich glaube wir können und werden es in Zukunft besser machen und die Zukunft irgendwie meistern.